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Schön mach ichs später noch.

 

... die Gruppe war am Vormittag in Tiefenturm aufgebrochen und zügig voran gekommen. Am frühen Nachmittag wurde ein Lager aufgeschlagen und man bereitete sich auf das Nachtlager vor. Einige hatte das Lager zur Jagd verlassen und Frater Kor schien im Wald Totholz zu schlagen. Es blieb ihnen noch genug Zeit, bis die Verschleierung durch das alte Pantheon verfliegen würde und sie würden das Schiff der Geyer rechtzeitig erreichen - wenn ihnen nichts dazwischen kam.

Nach einiger Zeit kommen zwei der Jäger zurück ins Lager und bitten Stjarna - die sich immer in der Nähe von Siikah aufhält - um ihre Hilfe bei der Bestimmung eines Krautes, welches sie in der Nähe gefunden haben. Sie verabschiedet sich für kurze Zeit und verschwindet mit den beiden in den Wald.

Dann wird es ruhiger im Lager und Siikah wird bewusst, daß sie - obwohl das Lager nicht leer ist - doch allein dort steht. Das Schlagen, Sägen und Klopfen hatte aufgehört, wann genau, konnte sie nicht sagen. Nun war es unnatürlich still.

Als schwere Schritte harsch durch den Schnee brechen, erkennt sie Frater Kor, der sich bedächtig stapfend einen Weg aus dem Wald uns ins Lager bahnt. Er schaut kurz auf, erblickt Siikah, und kommt dann geradewegs auf sie zu. Als sie ihn näher betrachtet, fällt ihr auf, daß sich tiefe Sorgenfalten zu den Narben in seinem entstellten Gesicht gesellt haben. Bei ihr angekommen richtet er sich zu voller Größe auf und Schnee fällt wie ein Umhang von seinen pelzbedeckten Schultern. Sein Blick verspricht väterliche Sorge, doch sein Gesicht ist starr, als er zu ihr spricht...

"Siikah - es ist soweit! Komm mit, wir müssen Reden!"

... etwas in seinem Blick duldet keinen Wiederspruch aber er wirkt auch nicht bedrohlich, als Siikah ihm folgt. Es scheint ihr, als ob etwas Wichtiges bevorstünde.

Noch ein paar huntert Schritten erreichen sie eine Lichtung. Dort schien er die letzten Stunden gewesen zu sein. In der Mitte der Lichtung brennt ein hüfthohes Feuer. Darum - sich gegenüber stehend - zwei aus rohem Holz gezimmerte Hocker im Schnee. Der Schnee wurde in einem Umkreis von 10m platt getrampelt und in die Schneise ein Rund aus Hölzern ausgelegt. Es scheint sich um einen rituellen Ort zu handeln. Ein Ort, der ehrfurcht gebietet und gleichzeitig drohend Frieden verheisst.

Kor schreitet zu einem grob gezimmerten Gestell, welches außerhalb des Kreises steht und beginnt, seine Waffen dort einzuhängen und abzulegen. Schweigend deutet er Siikah, es ihm gleich zu tun. Kein Wort hatte er seit dem Verlassen des Lagers gesprochen, den besorgten Blick in seinem versteinerten Gesicht stets auf Sikah gerichtet. Nun deutet er auf einen der Hocker und Siikah nimmt Platz - sein Blick dultete erneut keinen Wiederspruch. Danach greift er auf den Rücken und zieht seine verbliebene Waffe - den langen Mithril-Dolch. Kurz hebt er ihn, waagerecht auf beiden Händen liegend in die Luft, nickt Siikah dann bedeutsam zu und legt ihn neben die Feuerstelle - genau in die Mitte zwischen ihnen. Dann blickt er auf...

"Siikah - das hier ist ein Thing! Ein Versammlungsort, auf dem die Wahrheit gesprochen wir und Gerichtet wird. Dies ist ein Ort der Waffenruhe - wer die Waffe gegen den anderen erhebt, hat einen Frevel gegen die Götter begangen! Ich will - nein ich muss mit Dir sprechen, bevor ich Dich verurteile!
Du bedeutest zu viel, ich will Dich nicht töten. Siikah - warum versuchst Du, meine Leute - Deine Freunde zu töten? Wer oder was bist Du?"

... seine Stimme war eiskalt. Das versteinerte Gesicht und der intensive Blick jedoch versprach Siikah, daß die ein Scheideweg war. An dieser Stelle - auf dieser Insel - würde sie sich entscheiden müssen, ihnen nun endlich vollkommen zu vertrauen, oder aber den Rücken zu kehren und sich davon zu machen. Doch hatten sie so viel Vertrauen verdient???
Die väterliche Besorgnis in seine Augen war echt - sie erkannte sein reines Herz, doch seine Körpersprache verspach grimmige Entschlossenheit...

"Ich spreche mit Dir Siikah, Dir - die Du versucht hast, Stjarna und den Goden zu töten! Warum kämpfst Du gegen uns? Wir haben Dir keinen Grund zum Hass gegeben, was willst Du von uns?" 

 

Wachsame Augen verfolgten Stjarna, bis diese gänzlich im Wald verschwand. Siikah blieb allein zurück, was ihr aber erst auffiel als die Geräusche um sie herum langsam verstummten. Eine Weile schien unnatürliche Stille das Lager zu erfassen. Siikah hockte sich still zu Boden, genoss für einen Moment sogar diese Ruhe, bis eine bekannte Unruhe in ihr aufkam. Noch ehe sie diese aber ergründen konnte hörte sie schwere Schritte im Schnee, sich geradewegs auf sie zubewegen.
Noch ehe sie ihn im Dunkel wirklich ausmachen konnte, begrüßte das dunkelhäutige Wesen Frater Kor heiter mit einem kurzen, leisen Laut. Einen kurzen Moment dauerte es, eh sie den Blick in seinem Gesicht deuten konnte, nachdem sie es endlich in der Dunkelheit erkennen konnte. Fragenden Blickes richtete sie sich auf, wartete bis er bei ihr angekommen war und zu ihr sprach.

Mit einem kurzen Nicken folgte Siikah, konnte sich aber mit jedem Schritt den sie tat einem aufkommenden Unbehagen immer weniger entziehen. Siikah genoss die Gespräche mit Kor. Sie ließen sie oft Dinge verstehen die ihr zuvor sehr fern waren. Andersherum hatte auch sie das Gefühl verstanden zu werden. Ein Gefühl das sie nicht oft verspürte... Diesmal aber war etwas anders... Einen Augenblick hatte sie das Gefühl etwas finsteres, lauerndes im umliegenden Wald zu spüren... war es wirklich im Wald...?
Siikah schüttelte sich kurz um den Gedanken loszuwerden. Noch während sie ihn vertrieb bemerkte sie, dass Kor sein Ziel erreicht zu haben schien. Prüfende Blicke bewegten sich vorsichtig über die Lichtung, hafteten sich schließlich auf ihren Begleiter, der seine Waffen außerhalb des Kreises ablegte und stumm dazu aufforderte es ihm gleich zu tun.
Siikah tat wie ihr geheißen, spürte wie sich unweigerlich ein Knoten in ihrem Magen zusammenschnürte, als sie sich zu dem zweiten der Hocker begab. Weder wusste sie warum, noch weshalb es ihr in diesem Moment wichtig zu sein schien sich davon nichts anmerken zu lassen.

Als Kor mit seiner Erklärung begann verhärtete sich auch ihre Mine. Bei den Worten "Wahrheit gesprochen" und "gerichtet wird" zuckte Siikah innerlich - aber nur innerlich- kurz etwas zusammen, bis sich bei seinen weiteren Worten, ihre Augen einen Moment fast unmerklich weiteten. Erst bei Kors letzten Worten, die nun merklich kalt und anklagend klangen entgleiste für einen Augenblick ihr Gesicht. Stjarna?! Wann?! "Siikah niemals..." Augenblicklich brach sie ihre aufgebrachten Worte an, verhärtete ihre Züge erneut, erschaffte eine äußere Larve um im Inneren zu forschen. Hatte sie wirklich Stjarna angegriffen?? Ihre Freundin, die ihr vertraute, die allein auf dunklen Wegen mit ihr ging, ihr nicht einen Hauch des Misstrauens entgegen brachte, als sie sie von der Gruppe weggeführt hatte um ihr geheime Informationen anzuvertrauen? Hatte sie das wirklich getan?? Tränen schossen in ihre Augen, als sie sich plötzlich der bedrohlichen Situation bewusst wurde -war sie das die ganze zeit schon?- in der sie sich befand und sie einen Schatten sich langsam schützend über ihren Geist legend spürte.
Als Siikahs Blick ihren Gegenüber erneut fokussierte lag Misstrauen darin, Bosheit und Feindseligkeit. Sie hatte den Kopf gesenkt, blickte ihr an mit raubtierhaften Augen. Nicht jenen eines Tieres das auf Beute lauerte, oder etwas zu verteudigen versuchte. Es waren die Augen eines Tieres das man geknechtet hatte. Eingesperrt, in Ketten gelegt, vielfach geprügelt. Augen in denen Hass lag und die auf Rache sinnten, ungeachtet der Tatsache ob ein Tier zu solchen Gefühlen fähig ist.
Ein kaum hörbares tiefes Knurren entrann der Kehle des Wesens, das sich in den letzten paar Sekunden so vollkommen verändert zu haben schien. Sie hielt dem Blick stand. Das war eine ganze Weile das einzige was sie tat. 

 Einige Sekunden schien es als würde Siikah sich auf einen Angriff vorbereiten. Bereit jeden Moment vorzuspringen, jede einzelne Faser ihres Körpers gespannt musterte sie aufmerksam ihren Gegenüber. Ganz plötzlich jedoch, wie auf ein unsichtbares Zeichen, entspannte sich ihre Haltung. In einer geschmeidigen Bewegung hob sie den Kopf, streckte kurz ihren Hals, als wäre er durch die wenigen Sekunden, die einem Außenstehenden wie Ewigkeiten hätten vorkommen müssen, steif geworden. Dabei lies sie Kor jedoch keinen Moment aus den Augen, in denen dieser meinte nun eine Form von Argwohn erkennen zu können. Gleiches hörte er in ihrer Stimme, als sie die bekannten Worte sprach:
"Siikah... passt auf"
Ihr Augen verengten sich kurz zu Schlitzen, bevor sie ihr Gewicht auf den Hocker verlagerte um eine kauernde Haltung einzunehmen. Sie wartete ab, musterte ihn weiterhin, mit einer Haltung als hätten diese drei Worte alle Fragen beantwortet.

 

 

... Kor war sich der Brisanz der von ihm heraufbeschworenen Situation wohl bewusst. Aber er musste so handeln, um Siikah endlich vollkommen vertrauen zu können. Dem Wesen, welches sich selbstlos unzählige Male den Gefahren entgegengestellt hatte, die eigentlich ihm gegolten hatten. Es verband sie etwas, doch er konnte sie noch immer nicht zur Gänze verstehen. Dies war der Ort, dies war die Zeit - er musste zurückgeben, was sie ihm gab. Er durfte nicht länger zweifeln. Seine Freundschaft war Aufrecht, genau wie die Sorge um seine Freunde - zu denen Siikah aber nun auch gehörte, wie ihm schmerzhaft bewusst geworden war. Er musste endlich wissen, woran er war. Kein falsches Spiel - nur offene Worte von Seele zu Seele. Er bemerkte, daß sich in Siikahs Blick etwas verändert hatte. War es das, wonach er suchte? War es das, wovon Stjarna ihm erzählt hatte und wovor sie sich fürchtete? Er musste sie ergründen - wissen was ihr Antrieb war. Eine glühende Klinge schien sich schmerzhaft den Weg durch seine Eingeweide zu suchen, als er Siikah's Veränderung betrachtete...

Warum nur muss ich immer die verletzen, die mir am nächsten stehen?

"Siikah, ich spreche als Freund zu Dir!"

... seine Augen blicken kurz fast flehend, dann reisst er sich wieder zusammen und konzentriert sich...

"Du hast Dich uns vor vielen Monden angeschlossen und wir haben Dich mit Freuden in unserer Mitte aufgenommen. Viele Male hast Du Dich bewährt - wie oft bist allein Du mir ins Unbekannte gefolgt, als es keinem anderen möglich war? Du gibst selbstlos und bist mir nah ans Herz gerückt."

... er schaut Siikah dabei dankbar in die Augen. Er hatte die Veränderung bemerkt, soviel war ihr klar. Doch blieb er davon unbeeindruckt. Er sprach in freundlichem Ton obwohl er es doch bemerkt haben musste...

"Ich mache mir Sorgen! Du veränderst Dich, Siikah. Stjarna berichtet mir, daß sie Angst vor Dir hat und über das Spielchen mit dem Goden brauchen wir wohl nicht zu sprechen. Und als ich kam, habe ich Dich vertrieben! Siikah - ich musste Dich vertreiben!"

... seine Stimme bebt, er stützt sich mit einer Hand auf den Hocker - so, als müsse er sich festhalten, um nicht zu Boden zu fallen...

"Ich kam von der Esse und musste mit ansehen, wie ihr Euch gegenseitig niedermacht!"

... er bindet den Trinkschlauch von seinem Gürtel und nimmt einen Schluck Wasser. Die letzten Worte waren wie ein heiseres Flüstern aus seinem Hals gekommen. Er sammelt sich und schaut wieder z Siikah auf. Beinahe entschuldigend fährt er fort...

"Ich hätte Dich in jenem Moment töten müssen, Siikah. Doch habe ich versagt. Versagt, meinen Freunden beizustehen. Und Du wolltest in diesem Moment denjenigen töten, der für all das steht, für was wir hier in den Dunklen Landen kämpfen. WARUM?"

... er ist aufgesprungen, als hätte er sich vor seiner erhobenen Stimme selber erschrocken. Als sie in sein Gesicht blickt, sieht sie die blutigen Tränen, die aus seinen Augenwinkeln in den weißen Schnee tropfen...

"Siikah, ich - wir möchten nicht, das Du gehen musst. Wir haben Dich in unser Herz geschlossen und in unserer Mitte aufgenommen. Wir würden sterben, bevor Dir jemand etwas antut - so wie Du es für uns tust."

... dann schaut er Siikah und Siikah direkt in die Augen...

"Ich weiß, daß Ihr nicht eins seid. Und ich weiß, daß ich Dein Freund bin. Siikah, was muss ich tun, damit Du uns auch endlich trauen kannst? Wir haben keinen Verrat an Dir geübt noch wollen wir das. Wir wollen Dich in unserer Mitte! Als Freund, als gleichberechtigter Kampfgefährte, als Siikah! Aber das geht nur, wenn wir Dir wieder den Rücken zukehren können, ohne daß Du in dieser Zeit einen der unsrigen umzubringen versuchst! Ich bin ein alter Söldner und spreche nicht die Sprache der Elfen - Sikah, was sind Deine Forderungen? Was auch immer Deine Seele betrübt und Euch entzweit - kann ich Euch etwas von der Last abnehmen?" 

 

Siikahs versteinerter Blick haftete ohne Unterbrechung auf Kor. Sie hatte nicht damit gerechnet dass er ihr freundlich gegenüber trat. Sie hatte damit gerechnet dass er Antworten fordern würde, nicht darum bitten. Als er kurz den Blick senkte verspürte sie einen inneren Sieg. Wie schwach Menschen doch sein konnten... waren sie auch noch so stark im Kampfe. Eine Spur von Verachtung erschien auf ihren Zügen.
Einen Moment wollte sie sich einfach wieder zurück nehmen. Sie Situation war nicht mehr bedrohlich, der Mensch ihr gegenüber keine Gefahr... und das Drängen in ihrem Inneren wurde mit jedem seiner Worte stärker.
"Ich hätte dich in jenem Moment töten müssen Siikah"
Sofort war die aufkommende Entspannung verflogen, ihr feindseliger Blick zurückgekehrt und bei seinen letzten Sätzen flammte Wut darin auf.
Mit einer entschlossenen Geste stand sie von ihrem Hocker auf, bohrte ihren Blick weiter in ihren potentiellen Feind, als versuchte sie ihn damit zu vernichten.
Hörbar atmete sie aus. "Mensch weiß?!" Ihre Stimme war leise und drohend, erinnerte eher an ein Zischen oder Fauchen, denn an menschliche Worte. Dennoch sprach sie die Worte deutlich, betonte jede einzelne Silbe, bewegte die Lippen stärker als es zu deren Bildung nötig wär. "Mensch weiß nichts von Siikah!" Mit langsamen, beherrschten Schritten schob sie sich seitlich um das Feuer herum. Still dazusitzen bereitete ihr Unbehagen, erinnerte es sie doch unweigerlich an ihr einstiges Gefängnis. Sie war nicht mehr gefangen. Sie war frei und sie war stark und eben das versuchte sie diesem sonderbaren Menschen mit jeder ihre Bewegungen zu signalisieren. Sie wusste, dass sie im offenen Kampf die Schwächere sein würde, aber dieser Mensch hatte sich gerade genug Blöße gegeben, dass sie dennoch siegreich aus diesem Kampf hervorgehen könnte.
Im Moment bereitete es Siikah jedoch größte Probleme ihre Wut zu zügeln. So begann sie mit langsamen, geräuschlosen Schritten in dem Kreis auf und ab zu tigern, wagte sie es doch noch nicht Kor zu umrunden, wie sie es mit dem deutlich schwächeren Svalinn getasn hatte, wie mit einem hilflosen Beutetier. "Mensch denkt Siikah nicht gemerkt was haben vor?! Siikah passt auf. Siikah immer aufgepasst und Siikah gut aufgepasst. Siikah aufgepasst auf beide und Siikah immernoch passt auf." Kurz knurrte sie in sich herein, "Dann... Menschen kommen, sagen Siikah Freund und Siikah nicht Monster und stecken Nasen in Dinge geht sie nichts an, pfuschen herum in Erinnerungen, die nichts haben zu suchen in Kopf von Siikah!" Siikah schien sich in rage zu reden ihre Stimme wurde lauter und gepresster. Sie zitterte, schwieg einen Moment um die Beherrschung wieder zu erlangen. 

 

 ... Kor steht im Drehen auf und reißt dabei den Hocker vom Boden. Lächelnd schaut er sie tief gebeugt und sprungbereit an und gibt immerwieder offensichtliche Lücken in seiner Verteidigung, welche zum Zuschlagen einladen. Es ist zu offensichtlich, als daß diesen Lücken nicht eine Finte oder ähnliches folgen könnte, als das Siikah auf die Einladung eingeht. Seine Stimme donnert wie ein nahendes Gewitter durch ein Tal...

"... Du wagst es!"

... mit einem Schritt, den er vorher wohl bedacht zu haben schien, steht er direkt vor Sikah - die Hand, die sie verschont hat zieht sich bereits von ihrem Hals zurück...

"Leg Dich nicht mit mir an! Du Wurm!"

... dann holt er Luft und fährt zischend fort...

"Wer auch immer Du bist - nenne mir die Bedingungen, unter denen Du bereit bist, die Angriffe auf uns einzustellen und wieder normal zu werden. Wir alle haben unser Joch zu schleppen - ich wurde bis vor ein paar Jahren noch angekettet, so wie die meisten meiner Brüder. Doch nun sind wir frei! Und niemand kann oder will Dir etwas wegnehmen! Du hast schwere Zeiten der Gefangenschaft hinter Dir, und dort man braucht etwas, um sich zu schützen. Das kann ich verstehen. Aber warum wendest Du diesen Hass, diesen Schutz nun gegen Deine Begleiter? War es Svalin oder Mirao - ist es das? Hast Du Deine Erinnerungen abgeschirmt, das Dunkle vergraben?"

 

 Einen Augenblick war Siikah wirklich erschrocken. Kors Angriff kam zu schnell, zu unerwartet als dass sie hätte darauf reagieren, oder gar eine Verteidigungshaltung einnehmen konnte. Als er schließlich vor ihr stand und sprach musste sie innerlich grinsen. Sorgsam versuchte sie den Hohn in ihrem Blick zu verbergen, schien dieser Mensch von ihren wortlosen Mitteilungen doch mehr zu verstehen als sie anfänglich angenommen hatte. Innerlich triumphierte sie. Sie wusste dass Kor für sie keine Gefahr war, so sehr er sich auch jetzt bemühte so zu wirken. Ein feines Lächeln umspielte ihre Züge.
Als sie wieder sprach klang ihre Stimme nicht eingeschüchtert, auch nicht mehr wütend. Angriffslust war darin zu vernehmen, sowie Überlegenheit und Hohn. Sie bewegte sich wieder, nur eine Schritte hin und her, blieb in Reichweite. Sie würde nicht fliehen.

"Mensch den du nennst hat gesehen Dinge, nicht waren bestimmt zu sehen, viel schlimmer, hat Siikah gezeigt Dinge besser nicht gesehen. Dann Siikah versucht beheben Fehler, nehmen Erinnerung wieder weg. Und was passiert?" Sie kam zum Stehen, trat einen weiteren Schritt auf Kor zu "Was denkt Kor? Wer hat gerichtet sich gegen Siikah?"
Zorn stieg erneut in ihr auf. Genau beobachtete sie jede Regung in seinem Gesicht.

 

"Wenn es das ist, warum sagst Du es dann nicht einfach?"

... er dreht sich nicht mit. Er kann sie hören und wittern - weiß, wo sie sich befindet. Er hatte sie diesmal verstanden. Worte, die während ihrer Gespräche in der letzten Zeit ausgetauscht worden waren, waren zu oft im Lärm des Kampfes oder dem Nahen eines Boten untergegangen...

"Es fällt mir nicht immer leicht, Dich zu verstehen und Zeit ist meist etwas, das ich nicht habe. Und doch habe ich mir immer wieder die Mühe gemacht und das Gespräch mit Dir gesucht. Du hast mit mir gejagd - uns verbindet einiges! Hier ist niemand, der uns stören könnte. Und heute sprichst Du deutlich!"

... er lässt die Hände sinken, richtet sich zu voller Größe auf und dreht sich zu Siikah um...

"Wenn ich Dich richtig verstehe, willst Du nur, daß keiner in deinen Gedanken rumschnüffelt - ist es das?" 

 

 

Siikah entspannte sich auf diese Worte unweigerlich. Der Argwohn wich aus ihren Augen, nicht aber die Feindseligkeit. Auf Kors letzte Frage schüttelte sie stumm den Kopf. Sie begann wieder auf und ab zu gehen, tigernd, aber nicht lauernd. "Dafür ist zu spät."
Die Wut flammte erneut in ihr auf. Ihr Schritte beschleunigten sich etwas.
"Wer sich stellte gegen Siikah, als wollte töten Mensch der zu viel weiß..." Wieder schien Siikah zu versuchen Kor mit ihren Blicken zu durchbohren. "Wer sich stellte gegen Siikah... war Siikah!" Sie atmete hörbar ein und aus. Sie blieb stehen, wandte sich offen und anklagend an Kor. Fast verzweifelt klang ihre Stimme... aber nur fast:
„Mensch sagt Siikah nicht eins?! Menschen sind es die versuchen zu machen aus Siikah zwei! Die sagen Siikah nicht hören auf andere Siikah, ist böse, will schaden Siikah. Bringen so weit dass kämpft mit sich selbst statt töten wer ist Gefahr für Siikah!“ Ihr Blick verfinsterte sich. „Bringen so weit, dass ist bereit zu brechen Versprechen.“ Ihre Stimme war wieder ruhiger geworden. „Aber Siikah wird nicht zulassen.“
Unbehagen breitete sich in ihr aus und erst jetzt bemerkte sie dass die stehengeblieben war. Sie setzte sich wieder in Bewegung, versuchte sich zu sammeln, spürte das Drängen in ihrem Inneren wieder stärker werden, kämpfte es aber nieder. 

 

 

"Oh - das wusste ich nicht!"

... ruhig spricht er weiter...

"Wir wollen nicht, daß Du Versprechen brechen musst. Und Du sollst auch nicht gegen Dich selbst kämpfen! Sei doch einfach Du selber, mit all Deinen Geheimnissen. Wenn die Zeit dafür kommen sollte, wirst Du vielleicht jemanden aus unserer Mitte finden, mit dem Du darüber reden magst. Ich - nein - wir werden Dich zu nichts zwingen."

... nun geht er selber ein paar Schritte, dreht sich um und sieht Siikah aufrecht in die Augen. Er spricht ruhig und sonor - es scheint, als spräche er gleichzeitig in ihre Ohren und in ihrem Kopf - es ist eine beruhigende Stimme - seine Seele spricht zu der Siikahs...

"Wenn ich den anderen sage, daß sie nicht in Deinen Erinnerungen rumpfuschen sollen, kannst Du weiter Du selber bleiben. Sie haben dies bisher nicht gewusst! Keiner wollte etwas in Dir wecken, was böse Erinnerungen hervorruft! Doch nun weiß ich es und kann es den anderen sagen. Es sind Deine Freunde und sie werden es beachten! Wenn wir diese Linie nicht mehr überschreiten, bist Du dann im Gegenzug bereit, die Gruppe nicht mehr anzugreifen? Ja, der Gode weiß so einiges, aber ich werde ihm sagen, daß er solcherlei Dinge nicht mehr mit Dir machen darf, da es nicht gut für Dich ist. Wenn wir das beachten, wirst Du Dich dann wieder beruhigen und in Frieden mit uns leben?"

... tief schauen sie sich in die Augen. Kor hatte schon nach dem ersten Staz aufgehört, laut zu sprechen... 

 

 

Siikah hatte das Gefühl der Knoten in ihrer Brust, von dem sie längst vergessen hatte dass er da war, würde sich lösen. Schnaubend drehte sie sich zur Seite, stapfte ein paar Schritte über die Lichtung. "Menschen immer denken alles so einfach! Mensch hat keine Ahnung!" Das Drängen wurde immer stärker. Sie musste stark um ihre Beherrschung kämpfen, ihre Worte nun mehr ein Murmeln.
"Siikah gegeben Versprechen, Siikah passt auf... Siikah passt immer auf!" Plötzlich hielt sie abrupt inne. Siikah richtete sich gerade auf, ihre Züge entspannten sich. Als sie wieder sprach klang ihre Stimme kindlich, heiter:
"Wir bleiben für immer zusammen!" sie lächelte.

"Ja, und irgendwann sind wir beide frei und dann zeig ich dir echte Kaninchen!" Die Begeisterung eines Kindes war in ihrem Gesicht zu lesen, bevor sich ihre Züge erneut verhärteten. Sie schloss kurz die Augen, blickte dann wieder zu Kor. Nur ein sehr genauer Beobachter hätte gemerkt dass der Klang ihrer Stimme sich zu vorher unterschied. Eine Spur von Schmerz lag nun darin. "Siikah hat gehalten Versprechen. Reikinah frei... und auch Siikah frei jetzt."

Siikah rechnete nicht damit dass Kor verstand wovon sie sprach. Sie hatte Reikinah befreit und einen hohen Preis dafür bezahlt. Um ihr neues Versprechen zu halten wäre sie jederzeit bereit einen noch höheren zu zahlen, sofern das möglich ist...

 

 

... ein zuckender Schmerz jegd ihm durch die Brust, als er Siikahs Verwandlung beobachtet. Mit einem mal war er wieder dort. Dort, wo für ihn alles vor 25 Jahren begann, als er...
Egal, sie hatte etwas getan in ihrer Gefangenschaft. Wahrscheinlich war diese Reikinah ihre Schwester gewesen, sie hatte ihr auf jeden Fall sehr nahe gestanden. Er konnte es deutlich fühlen, denn das Band zwischen ihren Seelen hatte sich noch nicht zu Gänze gelöst. Und dann war etwas geschehen - sie war vermutlich ums Leben gekommen und Siikah hatte es entweder selber vollbracht oder es zumindest nicht verhindern können. Reikinah war nun frei, und Siikah war es auch - doch vergeben konnte sie es sich wahrscheinlich nie...

So hat ein jeder sein Schicksal zu ertragen. Locknar vult!


"Und das sollst und wirst Du auch bleiben, Freund!
Wir sind es nicht, die Dich anklagen! Wir sind Deine Freunde. Wenn Du uns begleiten magst, so komme mit uns. Wir verurteilen Dich nicht für etwas, das lange zurück liegt. Jeder von uns hat Dinge auf dem Kerbholz, die besser unausgesprochen bleiben und ein jeder kennt eine dunkele Stelle in seiner Seele, in die er nich zu schauen wagt. Also bist Du hier als Gleicher unter Gleichen. Für die Sache mit Deinem Kopf müssen wir uns entschuldigen - wir wussten nicht, wie sehr es Dir schadet und weh tut.
Siikah - wir erkennen Dich als das an, was Du bist - mit oder ohne Vergangenheit. Denn wir leben doch jetzt und hier! Und wir schätzen Deine Nähe und Freundschaft. Wir werden Dich als einen der Unsrigen achten. Stelle dem Goden nicht weiter nach und begleite uns auch weiterhin. Zusammen mit Stjarna und den anderen beschreiten wir nun einen gemeinsamen Weg. Was sagst Du?" 

 

 

Unverstehen und Verwirrung waren in Siikahs Blick als Kor begann zu sprechen. Auch wenn er nichts dergleichen sagte, seine Augen, seine ganze Haltung verrieten Siikah dass er verstand. Einen Moment gab Siikah dem Drängen nach und sie wusste dass Kor in ihren Augen Zustimmun lesen konnte. Kaum sichtbar nickte sie, wagte sogar ein entspanntes Lächeln, bis er von Svalinn und Stjarna sprach. Siikahs Geist verfinsterte sich erneut, der Zorn in ihren Augen kehrte zurück, als sie an die Anschuldigung dachte die dieser Mensch zu Beginn des Gesprächs gewagt hatte. Sie sprach mit fester Stimme, noch immer den fauchend drohenden Unterton darin:
"Siikah... niemals angegriffen Stjarna! Siikah gegeben Versprechen und Siikah passt auf!" Ihr war klar dass Kor nicht wissen konnte was sie der verzweifelten Menschenfrau versprochen hatte, als diese sie unter Tränen der Angst und Verzweiflung wachgerüttelt hatte, mit den Worten die Siikah noch immer angstvoll im Kopfe kreisten "Siikah, lass mich nicht allein!", aber diese Anschuldigung würde sie auf keinen Fall stehen lassen. Kurz verharrte sie, wartend ob er etwas erwiedern wollte. 

 

 

... Kor denkt kurz nach und erwidert dann kopfschüttelnd...

"Es mag sein, daß ich in meiner Sorge um Stjarna da etwas falsch verstanden habe. Ich habe eigentlich nur bemerkt, daß ihr euch anscheinend irgendwie - nahe steht. Und dann sah ich Stjarna während unseres Aufenthaltes im Turm und sie war verwirrt und besorgt - ja sie schien Angst zu haben. Ich denke, ich habe da eins und eins falsch zusammengezählt (OT-zwinker, Du Zahlenmonster). Denn ich glaube Deinem Wort mehr als meinen verwirrten Erinnerungen an jenen Tag im Turm. Nein - ich habe mich geirrt und vorschnell geurteilt - bitte verzeih' mir, ich habe ungerecht gehandelt! Stjarna vertraut Dir ebenfalls, zumindest hat es mich einen heiden Aufwand gekostet, sie von Dir wegzulotsen! Ich zweifele eher an meinem Verstand als an deinen Worten. Nun - sind wir uns einig!?!

... auffordernd schaut er sie an und streckt ihr seine offene Hand entgegen... 

 

 

Siikah lächelte schwach. Es war ein zustimmendes Lächeln, kein boshaftes. Diese Antwort stellte sie zufrieden. Die Härte aus ihren Augen wich und sie war gewillt den immer stärker werdenden Drängen endlich nachzugeben. Doch diese Blöße wollte und konnte sie sich nicht geben. So kämpfte sie ihr Inneres noch einmal nieder und verfinsterte ihren Blick.

„Siikah traut nicht Menschen… und Siikah gefällt nicht, dass läuft nach wie Haustier.“ Diese Worte spie sie wieder so feindlich aus wie am Anfang des Gesprächs. „Aber Siikah gegeben Versprechen. Und Siikah wird halten. Und wenn Mensch oder nicht-Mensch versucht Siikah halten davon ab“ sie machte eine kurze Pause, verengte die Augen zu Schlitzen „dann Siikah wird töten! Und Siikah wird töten wenn Kor am wenigsten rechnet damit.“
Dann änderte sich der Ausdruck in ihrem Gesicht. Ein paar mal kniff sie die Augen zusammen, bevor sie sich ängstlich umblickte und schließlich mit einem sehr lauten, sehr schrillen leidenden Ton zu Boden ging. Sich den Kopf haltend begann Siikah aufgebracht und von Panik ergriffen zu weinen. Nur Fetzen des eben geschehenen waren in ihrer Erinnerung zurückgeblieben. Sie hatte das Gefühl an einem fremden Ort gewesen zu sein. Genau aber erinnerte sie sich an Kors Worte bevor das passiert war.
(Und das ist der Moment in dem Stjarna aus dem Wald kommt und Kor verhaut. :P)
 
 
"Nie wieder sollst Du jemandem wie ein Tier hinterherlaufen müssen, Siikah! Du bist hier als Gleicher unter Gleichen. Ich habe Deine Worte gehört und verstanden Siikah - Locknar vult!"

... Stjarna kommt aus dem Wald und fällt neben Siika auf die Knie. Schnell redend untersucht sie besorgt Siikah, tastet sie ab und scheint sehr besorgt...

"Wir sind uns einig - der Thing ist beendet!"

... Kor kommt in Richtung der Beiden, woraufhin Stjarna etwas sehr Häßliches zu ihm sagt. Es trifft ihn wie ein unsichtbarer Schlag ins Gesicht, als er sich zum Dolch umdreht und diesen wieder auf seinem Rücken verzurrt...

Warum verletze ich nur immer gerade die, die mir zu Nahe kommen? Ist dies mein Fluch?

... er stapft rüber zu seinen Waffen und nimmt sie an sich. Dann verschwindet er allein in die Nacht... 
 
 
 
-Epilog-

 In den folgenden Tagen mied Siikah Kors Nähe... eigentlich mied sie mehr oder weniger die Nähe von allen, suchte oft die Einsamkeit um ihre Gedanken zu sortieren. Nur Stjarna wich ihr seit dem Vorfall keine Sekunde mehr von der Seite, was dem gehörnten Wesen nur Recht war. Die Menschenfrau störte sie nicht in ihren Gedanken, saß ganze Tage nur stumm an ihrer Seite, war einfach nur da. Es schmerzte Siikah ihrer Freundin Sorgen zu bereiten, so gab sie sich größte Mühe in ihrer Apathie nicht bedrückt zu wirken. Leider war Siikah nie besonders gut darin gewesen ihre Gefühle zu verbergen.
Stjarna hatte ihr erklärt dass es sich um ein Missverständnis gehandelt hatte, Siikah hatte sie nie angegriffen, doch ließen sie Kors Worte nicht los. Sie hatten etwas ausgelöst in ihr, etwas verändert und sie wusste dass ihr wieder einmal Erinnerungen fehlten. Sie war fort gewesen und währenddessen war etwas geschehen...etwas wichtiges. Bruchstücke tauchten immer wieder vor ihrem inneren Auge auf. Der Moment in dem Kor auf sie zusprang, sein zornesverzerrtes Gesicht, seine Worte in diesem Moment... Was hatte Siikah nur gesagt dass er derart wütend auf sie wurde...?
Überhaupt schien sie keinerlei Erinnerungen über ihre eigenen Worte zurückzuerlangen. Sie sah Kor, wie er leidend von seiner Sicht des Vorfalls mit Svalinn erzählte, sah wie er blutige Tränen vergoss, wie er verzweifelt versuchte zu verstehen und es brach ihr das Herz ihn so zu sehen. Noch mehr aber bedrückte sie das Gefühl in diesem Moment herzlos reagiert zu haben.
Sie erinnerte sich an seine freundlichen Worte, als er ihr den Frieden vorschlug, an den verstehenden Ausdruck in seinen Augen und sie empfand tiefe Dankbarkeit für diesen Ausdruck doch wusste sie nicht WAS es zu verstehen gab. Und den einzige der ihr diese Frage beantworten konnte, wagte sie nicht anzusprechen. So saß sie Tag um Tag, versunken in ihren Gedanken, Nachts keinen Schlaf findend bewachte sie still Stjarnas Nachtlager, wissend dass auch sie betreffend sich etwas geändert hatte...

 




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